„Kannst du jetzt bitte EINMAL aufhören?“
Und kaum sind die Worte raus, tut es dir schon wieder leid.
Du wolltest gar nicht so reagieren.
Aber dein Tag war voll.
Die Arbeit war anstrengend.
Zuhause warteten zehn weitere Dinge.
Und dann hat jemand etwas verschüttet.
Oder gefragt.
Oder einfach nur laut geatmet.
Und plötzlich war sie da:
Die Wut.
Wut hat einen ziemlich schlechten Ruf
Wir lernen häufig früh, dass Wut etwas Unangenehmes ist.
Etwas, das man kontrollieren muss.
Etwas, das man nicht zeigen darf.
Vor allem als Frau kann da schnell noch ein schlechtes Gewissen dazukommen.
„Ich bin doch sonst gar nicht so.“
Aber vielleicht lohnt es sich, Wut einmal anders zu betrachten.
Nicht als etwas, das du sofort loswerden musst.
Sondern als etwas, das dir möglicherweise Informationen liefert.
Was könnte hinter deiner Wut stecken?
Vielleicht bist du überfordert.
Vielleicht brauchst du eine Pause.
Vielleicht hast du seit Tagen zu wenig geschlafen.
Vielleicht hast du zu oft Ja gesagt.
Vielleicht hast du etwas getan, obwohl du eigentlich Nein sagen wolltest.
Vielleicht kümmerst du dich ständig um andere und kommst selbst kaum vor.
Oder vielleicht bist du einfach gerade wirklich wütend.
Auch das darf sein.
Wut bedeutet nicht automatisch, dass du sofort handeln musst.
Aber sie darf gehört werden.
Dein Körper weiß oft schon vorher Bescheid
Vielleicht bemerkst du zuerst:
Dein Herz schlägt schneller.
Deine Hände werden warm.
Dein Kiefer wird fest.
Die Schultern ziehen hoch.
Der Bauch wird hart.
Du wirst unruhig.
Und irgendwann kommt der Satz:
„Jetzt reicht's!“
Genau deshalb kann Körperwahrnehmung so wertvoll sein.
Wenn du früher bemerkst, dass etwas in dir hochfährt, hast du möglicherweise mehr Möglichkeiten zu reagieren.
Nicht immer.
Nicht perfekt.
Aber vielleicht manchmal.
Eine kleine Pause mitten in der Wut
Wenn du gerade sehr aufgebracht bist und es die Situation erlaubt:
Stopp.
Spüre deine Füße.
Schau dich im Raum um.
Nimm wahr, wo du bist.
Atme nicht besonders tief.
Mach einfach einen etwas längeren Ausatem.
Und frag dich:
„Was ist hier gerade eigentlich zu viel?“
Nicht:
„Wie werde ich diese Wut sofort los?“
Sondern:
„Was versucht sie mir zu sagen?“
Vielleicht kommt eine Antwort.
Vielleicht auch nicht.
Du musst nichts erzwingen.
Gefühle müssen nicht immer wegreguliert werden
Das ist mir wichtig.
Somatische Übungen können dabei helfen, wieder mehr Boden unter den Füßen zu bekommen.
Aber das Ziel ist für mich nicht, dass du dich immer sofort ruhig, entspannt und wunderbar reguliert fühlst.
Manchmal ist ein Gefühl wichtig.
Manchmal zeigt es eine Grenze.
Manchmal braucht es Raum.
Und manchmal brauchst du danach etwas, das dich wieder beruhigt und stabilisiert.
Beides ist okay.
Was brauchst du?
Das ist eine Frage, die du dir nicht erst stellen musst, wenn du kurz vor dem Explodieren bist.
Du kannst sie jeden Tag üben.
Vielleicht morgens.
Beim Mittagessen.
Auf dem Weg zur Arbeit.
Vor dem Schlafengehen.
Was brauche ich gerade?
Ruhe?
Bewegung?
Essen?
Nähe?
Abstand?
Unterstützung?
Ein Nein?
Eine Pause?
Denn dort geht es darum, Körpersignale nicht einfach zu übergehen, sondern sie wahrzunehmen, zu verstehen und daraus herauszufinden, was du gerade brauchst.
Wenn dein Akku gerade komplett leer ist und du eine kurze Unterstützung für den Moment brauchst, kannst du auch meinen SOS Guide nutzen.
Und falls du grundsätzlich merkst, dass du ständig auf Anschlag bist, kann der 5-Tage Reset ein guter erster Schritt sein, um wieder bewusster bei dir anzukommen.
Vielleicht musst du deine Wut also nicht sofort wegmachen.
Vielleicht darfst du sie zuerst einmal fragen:
„Was möchtest du mir eigentlich sagen?“